Paulus

Brucknerchor im Aufwind
Ein vielversprechender Neustart unter Martin Zeller gelang dem Brucknerchor Linz am Samstag mit einer Aufführung von Mendelssohn-Bartholdys zweiteiligem Oratorium „Paulus“. Der Werdegang vom Saulus zu Paulus beinhaltet hier die Christenverfolgung, den Märtyrertod wie die Erscheinung Christi, im zweiten Teil stehen Paulus und seine Bekehrung im Mittelpunkt.
Der Auftrag zu einer würdigen Wiedergabe richtet sich primär an die gewaltige Besetzung der Chorstellen. Durch die Verstärkung mit Josef Habringers domkapellmeisterlichem Collegium Vocale Linz standen auf der Bühne mehrere hundert Sänger, die mit stimmenstarkem Einsatz als homogener Klangkörper von der Pultüberlegenheit des neuen Chorleiters profitierten. Martin Zeller, Chordirektor des Landestheaters und Regens Chori im Stift St. Florian, ist der Inbegriff eines leidenschaftlichen Chormeisters. Spürbar wurde bei ihm auch die Verbeugung vor der Größe des religiösen Sujets aus der Apostelgeschichte, indem er die von Mendelssohn oft ausgesparte Dramatik vermied und die 45 Szenen je nach Inhalt in ein mildes Licht atmosphärisch wirksamer Dynamik tauchte. So genau realisierte seine Musizierart das aus Wien geliehene Orpheus Kammerorchester nicht immer, agierte aber vorteilhaft als Kammerensemble, so dass die Chorsätze den Vorrang behielten. Von dieser klanglich behutsamen Begleitung profitierten auch die Solisten: Elisabeth Breuer, ein glockenreiner Sopran in der Evangelistenrolle, auch vom Tenor Alexander Kaimbacher technisch versiert gemeistert, Monika Schwabegger mit schmalem Altpart und besonders auffallend Bass Matthias Helm mit einer der schönsten Paulus-Arien „Gott sei mir gnädig“. Laute Dankbarkeit des Publikums für ein selten zu erlebendes Chorereignis. (Neues Volksblatt, G. Sz)

 

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